Löwe © David Stribbling - www.davidstribbling.com

Das bin dann also ich

Ich habe am 26.07.1985 im Zeichen des Löwen das Licht der Welt erblickt und wurde auf den Namen Rebecca Antonia getauft. Ich ging, wie Du bestimmt auch, in den Kindergarten und habe ein paar Jahre die Schulbank gewärmt. Das Ergebnis jahrelanger Quälerei ist nun ein Hauptschulabschluss der, wie ich leider zugeben muss, durchaus besser sein könnte.

Meine Ausbildung wollte ich im Tierheim zur Tierpflegerin machen, den Ausbildungsvertrag hatte ich auch schon unterschrieben, als ich (heute muss ich wohl sagen glücklicherweise) schwanger wurde. Tja dann wurde das mit meiner Ausbildung leider nichts.


Aber dafür durfte ich das schönste Wunder der Welt erleben: Die Geburt meines Sohnes!

Am 02.02.2004 brachte ich einen gesunden und süßen Jungen zur Welt. Mein Mann (zu der Zeit eigentlich noch Lebensgefährte) und ich ließen unseren Sonnenschein auf den Namen Damiro Timothy taufen.

Mit meinem Mann bin ich seit Juni 2002 zusammen und im August 2006 haben wir uns das Ja-Wort gegeben.

Im Sommer 2005 haben wir uns ein älteres Häuschen gekauft und es mit Hilfe meines Opas und einigen anderen Helfern renoviert.

Nun schien alles perfekt, eben eine glückliche kleine Familie. Leider wurde im März 2007 unser Leben ziemlich erschüttert und unsere Ehe auf eine harte Probe gestellt.

Anfang März bemerkte ich, dass ich schlechter als normal sehe, das wurde von Tag zu Tag schlimmer. Bei meinem Hausarzt wurde nichts festgestellt, all meine Werte und auch der Blutdruck waren unauffällig. Also bin ich ein paar Tage später zum Augenarzt. Mittlerweile sah ich alles nur noch wie durch einen Grauschleier, total unscharf und verschwommen. Nach etlichen Augenuntersuchungen bekam ich dann eine Notfallüberweisung in die Kopfklinik nach Heidelberg, denn auch der Augenarzt konnte an meinen Augen nichts feststellen. Das einzige was bei ihm raus kam war, dass ich einen Ausfall meines Gesichtsfeldes hatte. So blieb mir ja nichts anderes übrig als am nächsten Tag nach Heidelberg in die Kopfklinik zu fahren. Da mein Mann sich so kurzfristig nicht frei nehmen konnte, und er nach Feierabend auch nach unserem Sohn schauen musste, ist meine Mutter mit mir in die Klinik gefahren. Angekommen sind wir in Heidelberg morgens um 9 Uhr, es folgte eine Augenuntersuchung nach der anderen und dazwischen hieß es immer warten, warten und nochmals warten. Auch hier wurde an meinen Augen nach unzähligen Untersuchungen nichts festgestellt.

So kam ich dann abends, ich glaub gegen 17 Uhr, in die Röhre. Ganze 45 min verbrachte ich im MRT, das war wirklich eine Qual in diesem engen Teil. Tja dann hieß es wieder warten. Irgendwann wurden wir dann von einem Arzt aufgerufen, und kurz darauf brach erst einmal die Welt über mir zusammen. Ich hatte einen Hirntumor. Ich – wieso ich, sowas bekommen doch andere, aber ich doch nicht!?! Nach dieser Diagnose war ich zunächst nicht mehr ansprechbar, ich saß nur noch da und war am Heulen. Mir gingen so viele Sachen durch den Kopf. Ich wurde direkt stationär aufgenommen, konnte meinen Mann und meinen Sohn nicht mehr in die Arme nehmen. Meine Oma und mein Opa haben meinem Mann diese Nachricht überbracht. Ich glaube, man kann sich nicht vorstellen wie man sich in so einem Moment fühlt, wenn die Welt auf einmal in Trümmern liegt, wenn man es nicht selbst erleben musste.

Der OP-Termin wurde auf den 26. März gelegt. Bis zu diesem Termin war ich jede Nacht am Heulen, mir konnte keiner sagen, ob ich nach der OP wieder sehen könnte und vor der OP drücken konnte ich mich auch nicht. Die Ärzte hätten mir nur noch ein paar Wochen gegeben. Meine erste Frage, die ich dann an den Arzt hatte, war: „Werden meine Haare komplett abrasiert?" Das war, so komisch es sich anhören mag, meine größte Sorge. Diese konnte der Arzt aber schnell beseitigen als er mir sagte, dass nur das nötigste, also der Pony, abrasiert wird. Die Dauer der OP wurde auf 6-8 Stunden geschätzt.

Ja und dann war es soweit, der Tag der OP. Um 5 Uhr wurde ich geweckt, musste in ein sexy OP-Outfit schlüpfen und bekam Beruhigungstabletten, dabei war ich eigentlich gar nicht aufgeregt. Ich wurde runter zu den OP-Räumen gebracht, mir wurde ein Zugang gelegt und dann wurde ich narkotisiert. Hier endet dann meine Erinnerung und setzt auch erst 10 Tage nach der OP wieder ein. Die OP dauerte am Ende 12 Stunden und mein Mann und mein Papa saßen vor dem OP und wurden immer nervöser. Nach 12 langen Stunden wurde ich dann auf die Intensivstation gebracht. Dort lag ich wohl auch recht lange, ehe ich auf die normale Station verlegt wurde. In dieser Zeit muss ich dermaßen aggressiv zu meinen Mitmenschen gewesen sein, dass meine Mutter öfters heulend da saß und Angst hatte, dass ich so bleiben würde. Auch mein Mann hatte Angst was passiert, wenn ich so bleiben würde.

Ich kann mich aber an nichts davon erinnern, weder an so ein Verhalten von mir noch an die Personen die mich alle besucht hatten. Meine Erinnerungen setzen erst wieder an dem Tag ein, an dem mir die Fäden gezogen wurden. Oh weia, das tat ziemlich weh. Ich lag insgesamt vier Wochen in der Kopfklinik und direkt danach folgten drei Wochen Reha. Das schlimmste in diese Zeit war, das ich meinen Mann und meinen Sohn so selten sehen konnte. Es war zwar fast immer jemand da im Krankenhaus, aber das ist natürlich nicht dasselbe.

Diese sieben Wochen waren nicht nur für meinen Mann, Damiro und mich schwer. Nein auch für meine Eltern und Großeltern war es eine verdammt harte Zeit. Damiro wurde in diesen Wochen ständig hin und her geschoben, mal war er bei meiner Oma, dann wieder bei meiner Mutter und bei Bekannten. Mein Mann musste ja trotz alledem weiter arbeiten gehen.

Deswegen möchte ich hier nochmals Danke an meine Eltern und Großeltern sagen, ohne die wir das alles sicher nicht so geschafft hätten. Danke, dass ihr immer für uns da seid!

Und meinem Mann möchte ich auch Danke sagen, dass er in dieser schweren Zeit zu mir gestanden hat und es auch immer noch tut. Danke Schatz, ich liebe dich über alles.

Nun liegt das ganze schon wieder zwei Jahre zurück, und mir geht es auch eigentlich soweit gut, aber es ist trotzdem nichts mehr so wie es vorher war. Ich kann nicht mehr ohne Medikamente leben, ich kann keine Kinder mehr bekommen und es ist fast unmöglich abzunehmen. Selbst würde man sich ja noch irgendwie mit seinem Gewicht abfinden, da man ja weiß, es kommt durch den Tumor, aber die Umwelt macht es einem schwer sich damit abzufinden. Ständig muss man sich dumme Sprüche anhören, und das macht es einem nicht gerade leichter damit zurechtzukommen.

Mit dem Thema Kinder haben mein Mann und ich uns mittlerweile abgefunden, wir haben ja unseren Sohn und sind auch überglücklich, dass wir unseren Wirbelwind haben.